
Eröffnungsrede vom AbiTreffen 2006 in Bröllin von Kai Marscheider
Schön, dass so viele gekommen sind! Schön, dass ihr da seid!
Wir haben euch heute hier versammelt, auf dem Schlosse zu Bröllin, um unser einjähriges Abitur zu feiern! Wir erinnern uns an unsere Schulzeit mit allem was dazu gehörte. Wir erinnern uns ganz besonders an die letzten beiden Schuljahre, die uns alle ein stückweit zusammengebracht haben. Wir erinnern uns heute, an eine „geile Zeit“!
„Alles was geschieht, was geschehen ist und was geschehen wird, geschieht, geschah und wird geschehen auf eine natürliche Weise“.
(Georg Büchner)
Am 17. Juni 2005 waren wir das letzte mal alle zusammen.
Unseren letzten Schultag feierten wir am 28. April 2005. Ein toller Tag, an dem wir das gesamte Schulhaus auf den Kopf stellten. Wir machten es möglich, dass man in nur 15 (?) Sekunden einmal um die ganze Welt konnte. Natürlich mit jeder Menge Stroh unter den Sohlen.
Doch spätestens auf der Abschlussparty im Strasburger KHH wurde es wieder abgetanzt.
Am 2. Mai begann die anstrengende und nervenraubende
Prüfungszeit, die am 10. Juni ihren Abschluss fand.
Im Vorfeld hieß es Lernen, Lernen, Lernen!
In den Prüfungen war es wichtig genügend Aufputschmittel zu nehmen, hunderte Blätter vorzubereiten, selbstbewusst aufzutreten und der Glücksbringer durfte auch nicht fehlen.
Anschließend versuchte man, sich auf die gestellten Aufgaben zu konzentrieren.
Im stillen hoffte man, dass das, was man gerade von sich gibt zur Rätselslösung beiträgt.
Mit knackigen stilistischen Formulierungen und jeder Menge Fachbegriffe, in verschleierter Form geschrieben, müsste dies wohl gelingen – so dachte man.
Und bei den meisten hat’s ja geklappt.
Im Historischen U erhielten wir am 17. Juni 2005 das, worauf wir Jahre lang hingearbeitet haben – unsere Abiturzeugnisse!
Wir erlebten eine bewegende Abiturübergabe.
Mit einer gelungenen Fotoaktion; Mit einer sehr guten Rede vom Schulleiter Herrn Hundt,
Und einer sehr guten Rede von Lysann und Toni.
Unsere Damen in atemberaubenden Ballkleidern und unsere Herren in adretten Anzügen erblickte man dann abends auf dem Abiball in der Schafbockhalle.
Wir überstanden den berühmten Eröffnungswalzer, der mehr oder weniger eingeübt war.
Bei der Musik von Soundgulasch lagen wir uns in den Armen.
Unvergessen der Überraschungsauftritt der Lehrerband.
Mit Möhre als Sänger und Rosl Engel am E-Bass! Beim mitsingen von „School is out forever“ wussten wir, „es ist vorbei“. „Es war eine geile Zeit.“
Am 17. Juni 2005 gingen wir auseinander.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf die Errungenschaften unseres Jahrganges zu sprechen kommen:
Durch Richard und Georg blühte die Schülerzeitung auf. Inhalt und Layout erreichten einen neuen Standard.
Und so wurde der KIEKER mit samt seinen Bewohnern und Artikelschreibern zur besten Schülerzeitung von Mecklenburg – Vorpommern gewählt. Wir stellten erstmals ein Semesterball und ein Semester Open Air auf die Beine. Mit dem Ziel unseren letzten Schultag und den Abiball finanzieren zu können.
Diese Schulveranstaltungen sind nun mittlerweile schon Tradition geworden. Auf diesen Partys waren stets harmonische Klänge von Soundgulasch zu hören.
Wesentlich am Erfolg beteiligt von Soundgulasch waren Vivien und Katrin, Breiti und Stickel, Clemens und Dirk. Außerdem gab es mehrere Auszeichnungen in den Fachbereichen: wie Physik, Biologie und Mathematik. Nicht zu vergessen die zahlreichen Siege bei Sportturnieren.
Seit längeren Jahren gaben wir unserem letzten Schultag wieder ein Motto: „Walk of Fame“, nach dem sich alles ausrichtete. So empfingen am 28. April Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Marilyn Monroe, Michael Jackson sowie Schneewittchen und ihre sieben Zwerge mit euphorischem Jubel unsere Tutoren auf dem Schulhof.
Unsere Sterne hingen im gesamten Schulhaus verteilt und in der Schafbockhalle, von wo aus sie dann den Weg zu uns nach Hause antraten.
Auf der Jahrgangshomepage abi05web.de kann man in Erinnerungen schwelgen. Sie dient dem Gedankenaustausch und dem Kontakt
untereinander. Unser Jahrgang besitzt nicht nur eine Abizeitung, sondern ein Starmagazin!
Es macht Spaß, darin zu lesen, sich die Fotos anzuschauen, denn jede Aufnahme erzählt eine Geschichte.
Am 17. Juni 2005 gingen wir auseinander.
Doch wir stellten fest, dass das Leben ohne Schule auch weitergeht.
Nach vorne. In der Zwischenzeit haben wir neue Leute getroffen, kennen gelernt und auch neue Freundschaften geschlossen, die unser Leben bereicherten. Am 17. Juni 2005 gingen wir auseinander. - Doch nicht für immer.
Denn wer in Mathe gut aufgepasst hat, der weiß, dass Wege, und damit Geraden, sich schneiden
- So wie heute Abend.
Trotz Trennung blieben Freundschaften und Kontakte bestehen.
Es gab Rundmails und Telefonate, man traf sich auf Schulpartys des Gymnasiums und in Discos, und ganz nebenbei gab es auch Besuche untereinander. Da wir auch ein Leben neben der Schule hatten, war unsere Schulzeit auch geprägt von Konflikten mit Eltern und Freunden. Geprägt von Liebe und Liebeskummer. Von Krankheit und Schicksalsschlägen. Von Gewinn und Verlust. Besonders nahe ging,
menschlicher Verlust.
In welchem Umfang sich dieses bei jedem Einzelnen ausgeprägt hat,
Inwiefern dies jeden Einzelnen von uns widerfahren ist – wissen wir nicht. In jenen Situationen ist es aber wichtig jemanden zu haben, dem man sich anvertrauen kann.
Und in vielen Fällen war dies bei uns eine Freundin oder ein Freund, die oder der mit uns zusammen die Schulbank drückte.
Spätestens dann im Oktober starteten wir in unseren neuen Lebensabschnitt - Mit dem Abitur standen und stehen uns viele Türen offen.
Wir sind nun im gesamten Land verteilt.
In großen Städten wie Hamburg, Berlin, Bremen, Strasburg und Pasewalk.
Aber wir sind auch in aller Welt zu Hause: In Dänemark, Tansania und Australien. Bald auch in Kanada und Neuseeland.Es war zunächst für alle neu und eine Umstellung sich auf die neuen Aufgaben zu konzentrieren.
Die Zivis merkten erstmal, wie viele alte Leute es in der Region gibt.
Die Grundwehrdienstleistenden stellten fest, dass die Bundeswehr ein Verein ist, in dem man nicht Mitglied sein muss.
Die Studenten erfuhren, dass das Studium zeitintensiver und anspruchsvoller als die Schule ist.
Aber auch die Azubis stellten fest, dass ihre Arbeit anspruchsvoll ist, mit täglich neuen Herausforderungen.
---
Im Leben macht man Fehler. Fehler, aus denen man lernen kann.
Und spätestens seitdem wir mit unseren Abschiedstaschentüchern die Tischdecken des Stadt Hotel Pasewalk ruinierten, wissen wir, warum es Versicherungen gibt. (Humor ist, wenn man trotzdem lacht)
Fazit dieser ganzen Sache bleibt: Wir haben alle ein teures Taschentuch zu Hause.
---
Es hat sich einiges verändert in unserem neuen Lebensabschnitt.
Ein Leben, nach der Schule.
Für viele unvorstellbar bis zum Schluss.
Wir sind keine Schüler mehr. Wir sind gestandene Abiturienten.
Wir sind Derivate des Oskar-Picht-Gymnasium!
Wir, sind Deutschland!
Hier nun mal eine Top Ten Liste, woran ihr erkennt,
dass ihr keine Schüler mehr seid:
Platz Nummer
10) Ihr müsst euch nicht mehr auf mündliche Leistungskontrollen vorbereiten
9) Leider wisst ihr nicht mehr, wann Schulferien sind
8) Statt zur Schule fahren euch eure Eltern zum Bahnhof
7) Ihr erkennt, dass es bei Muddi doch am besten schmeckt
6) Ihr übernehmt mehr und mehr Verantwortung
5) Ihr dürft Prüfungen noch mal schreiben
4) Statt Blumen bringt ihr Muddi eure Wäsche mit nach Hause
3) Breiti und Frä sind zusammen
2) Ihr vergesst die Namen eurer Mitschüler
1) Ihr vermisst die Schule
„Alles was geschieht, was geschehen ist und was geschehen wird, geschieht, geschah und wird geschehen auf eine natürliche Weise“.
(Georg Büchner)
Ich wüsche euch einen schönen Abend!
Kommt gut wieder nach Hause. Und bis bald.
Dankeschön.
Kai Marscheider
|